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Die Eigenschaften metallischer Werkstoffe können durch eine gezielte Wärmebehandlung verändert und an die steigenden Anforderungen der Beanspruchung angepasst werden. Mit dieser Zielrichtung werden in der Abteilung Wärmebehandlung anwendungsorientierte, technisch-wissenschaftliche und wissenschaftliche Forschungsvorhaben mit Fragestellungen, die in Verbindung mit thermischen und thermochemischen Wärmebehandlungen auftreten, bearbeitet. Beispiele hierfür sind Prozessweiterentwicklungen zur Energie- und Betriebsmitteleinsparung oder zur Verbesserung von Bauteil- und Werkstoffeigenschaften.

Die Kompetenzen der Abteilung Wärmebehandlung umfassen sowohl die Randschicht- als auch die durchgreifenden Verfahren und decken die rein thermische Wärmebehandlung ebenso ab wie die thermochemische Wärmebehandlung. In der abteilungseigenen Härterei stehen für die Forschung und Entwicklung vielfältige Ofenanlagen im technischen Maßstab zur Verfügung. Viele der wissenschaftlichen Fragestellungen werden transferorientiert bearbeitet, um einen schnellen Übergang neuer Erkenntnisse aus der Forschung in die Industrielle Praxis zu gewährleisten.

Themenspektrum der Abteilung im Bereich der beanspruchungsorientierten Wärmebehandlungsverfahren

Weitere Forschungsschwerpunkte neben der Verfahrensentwicklung sind die Entwicklung und Erprobung prozessbegleitender Überwachungs- und Regelungssysteme, Abschrecktechnologie, sowie Maß- und Formänderungen bei der Wärmebehandlung. Die experimentellen Arbeiten werden unterstützt durch Wärmebehandlungssimulation und Berechnungen.

Neben der projektbezogenen Forschung bietet die Abteilung Unterstützung für die Industrie bei der Entwicklung angepasster Wärmebehandlungsverfahren für spezifische Eigenschaftsprofile der Bauteile sowie Unterstützung bei Problemen mit Maß- und Formänderungen und Schadensanalysen an.

Wärmebehandlungsaktivitäten werden in vier Arbeitsbereichen organisiert

Die Aktivitäten in den Hauptfeldern werden in den vier Arbeitsbereichen „Einsatzhärten“, „Induktionshärten“, „Sensorik und Nitrieren“ sowie „Simulation und Aschrecktechnologie“ organisiert. Im Folgenden werden die Themenschwerpunkte vorgestellt.

Einsatzhärten

Einsatzhärten ist das Verfahren der Wahl bei der Behandlung höchstbeanspruchter Bauteile, wie beispielsweise von Zahnrädern. Voraussetzung für eine sichere Prozessbeherrschung ist die Kenntnis der Verfahren und deren Abläufe, d. h. der thermodynamischen Gesetzmäßigkeiten der Reaktionen in der Gasatmosphäre und in der Werkstückrandschicht. In diesem Zusammenhang ist der Einsatz geeigneter Mess- und Regelverfahren von hoher Bedeutung.

Zu den Arbeitsinhalten des Arbeitsbereichs gehört neben der Verfahrensentwicklung/-weiterentwicklung beim Einsatzhärten (Aufkohlen und Carbonitrieren), die Untersuchung des Verfahrenseinflusses auf das Randschichtgefüge sowie die sich daraus ergebenden Bauteileigenschaften. Im Fokus der Entwicklungen steht dabei auch die gezielte Anpassung der Randschichtgefüge an die jeweiligen spezifischen Belastungen durch eine gezielte Modifikation der Phasengemische.

In der industriellen Praxis werden beim Einsatzhärten üblicherweise martensitische Randschichten mit geringen Anteilen von Restaustenit eingestellt. Die Erarbeitung neuer Randschichtgefüge aufgekohlter und carbonitrierter Bauteile durch bainitische Umwandlung oder variierende Anteile an Martensit, Bainit sowie Restaustenit mit Carbiden und Carbonitriden wird als zentraler Entwicklungstrend für verbesserte Bauteileigenschaften verfolgt.

 

Gasaufkohlen von Schrägverzahnungen

Induktionshärten

Das induktive Randschichthärten ist eine energieeffiziente, umweltschonende und schnelle Technologie, um die Randschicht von Bauteilen zu härten und dabei die Kernfestigkeit der verwendeten Vergütungsstähle beizubehalten. Durch das taktile Härten und die kurzen Wärmebehandlungsdauern lässt sich die induktive Wärmebehandlung zudem flexibel in die Fertigungskette integrieren. Damit lassen sich optimierte Materialflüsse darstellen sowie Durchlaufzeiträume und Umlaufbestände reduzieren. Die Wärmeerzeugung erfolgt bei diesem Verfahren durch Joulsche Wärme aus Wirbelströmen, die mittels elektromagnetischer Induktion direkt in der Randschicht des ferromagnetischen Materials erzeugt werden, wobei Stromstärke im Induktor und Frequenz die wesentlichen Parameter darstellen.

Neuere Entwicklungen erlauben die gleichzeitige Anwendung unterschiedlicher Frequenzen, um so den Energieeintrag in das Bauteil gezielt anzupassen. Der Arbeitsbereich beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Verfahrensentwicklung im Hinblick auf die Anpassung der Bauteileigenschaften an das jeweilige Anforderungsprofil. Die Arbeitsinhalte liegen dabei in der Betrachtung der Werkstoffabhängigkeit entsprechender Wärmebehandlungen. Ferner wird die Wirkung der Prozessparameter auf das Temperaturfeld im Bauteil analysiert. Von Interesse sind ferner Werkstoff- und Bauteileigenschaften, die aus einer entsprechenden Behandlung resultieren. Weiterhin werden Möglichkeiten der Prozessmodellierung und Simulation der entsprechenden Vorgänge betrachtet. Bei Untersuchungen zum Konturhärten steht das Zahnrad als Bauteil im Vordergrund. Die zur Verfügung stehende Zweifrequenz-Technologie bietet anlagentechnisch die Möglichkeit, Bauteile (z. B. Zahnräder) konturnah, d. h. ähnlich einer Einsatzhärteschicht zu härten.

 

Härten einer Umlaufbiegeprobe mit scharfem Kerb während des Austenitisierns des Kerbbereichs

Sensorik und Nitrieren

Sensoren ermöglichen in weiten Bereichen der Fertigung eine Automatisierung mit einer damit einhergehenden verbesserten Qualitätssicherung. Insbesondere die industrielle Transformation in Richtung „Industrie 4.0“ fordert weitergehende Automatisierung auch in den verschiedenen Wärmebehandlungsverfahren. Auf dem Gebiet der Wärmebehandlung werden bereits in vielen Bereichen, insbesondere zur Temperatur- und Atmosphärenregelung, erfolgreich Sensoren eingesetzt. Ein wichtiges Beispiel ist der Einsatz von Sauerstoff- und Wasserstoffsonden bei den Aufkohl- und Nitrocarburierverfahren. Mit ihnen können reaktive Behandlungsatmosphären erfasst, kontrolliert und geregelt werden. Beim Carbonitrieren wurde in den letzten Jahren erfolgreich ein Sensorsystem mit integrierter Simulation der Diffusions- und Ausscheidungsvorgänge entwickelt und in den Markt gebracht.

Der Einsatz von Gassensoren ist zwar notwendig jedoch nicht ausreichend, da sie keine Aussagen über den aktuellen Werkstoffzustand, der als Zielgröße bei Wärmebehandlungsprozessen im Vordergrund des Interesses steht, liefern. Weitere Arbeiten konzentrieren sich daher auf die Sensorentwicklung zur Erfassung des aktuellen Wärmebehandlungszustandes. Erfolgreiche Entwicklungen wie der Nitriersensor für Nitrier- und Nitrocarburierprozesse, die Entwicklung von Sensoren zur in situ Qualifizierung und Quantifizierung der Werkstoffgefüge wie z. B. Bainit, Martensit und Anlassgefüge während der Wärmebehandlung inclusive angepasster Ablaufsteuerungen konnten in der Vergangenheit realisiert werden.

Im Bereich der Nitrier- und Nitrocarburierverfahren stehen Verfahrensentwicklungen für beanspruchungsoptimierte Bauteilanwendungen wie das Tiefnitrieren von Zahnrädern und Anwendungen für Warm- und Kaltarbeitswerkzeuge ebenso im Fokus wie Anwendungen mit enger Spezifikation im Stahlspektrum von unlegierten bis austenitischen Stählen. Dabei kann auf Anlagen des ganzen Verfahrens- und Kombinationsspektrums des Nitrierens und Nitrocarburierens von Plasma (inkl. Aktivgitter) und Niederdruck bis zu kennzahlgeregelten Normaldruckprozessen zurückgegriffen werden.

Darüber hinaus wird auch an Aspekten der Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und Ökologie wie die Energieeffizienz von Nitrieranlagen und Nitrierprozessen gearbeitet. Schließlich werden auch Grundlagenthemen wie die Porenentstehung oder das Nitrieren von Nichteisenwerkstoffen wie Aluminium-, Titan- und  Nickellegierungen in enger Kooperation mit der Industrie verfolgt. Auch die Weiterentwicklung des Nachoxidierens zählt dazu.

 

Plasmanitrieren eines Zahnrades

Simulation und Abschrecktechnologie

Die rechnerische Modellierung von Wärmebehandlungsprozessen eröffnet neue Möglichkeiten für eine wärmebehandlungsgerechte Konstruktion. Im Vordergrund steht die Simulation von Härtungsvorgängen und hier insbesondere des Abschreckvorgangs unter Berücksichtigung des Einflusses von Werkstoffinhomogenitäten auf das Umwandlungsverhalten. Derartige Arbeiten können nach dem heutigen Stand der Technik lediglich grundlagenorientiert angelegt sein, da nur ein Bruchteil der Einflussgrößen erfasst und in den Modellen berücksichtigt werden kann. Weiterhin werden bestehende Modelle mit dem Ziel, auch Prozessschritte wie das Anlassen in die Simulation zu integrieren, kontinuierlich erweitert. Aktuelle Themen bei der Modellierung von Wärmebehandlungsprozessen sind die bainitische Umwandlung unter Spannung, das Anlassen sowie Phasenumwandlungen bei der Additiven Fertigung von härtbaren Stählen.

Maßänderungen und Verzug stellen ein zentrales Problem bei der Fertigung von Bauteilen dar. Häufig werden sie allein mit der Wärmebehandlung als einem der letzten Fertigungsschritte in Verbindung gebracht. In vielen Fällen werden durch Wärmebehandlungsschritte jedoch nur Plastifizierungen durch thermisch bedingten Eigenspannungsabbau ausgelöst, die ihre Ursache in vorangegangenen Fertigungsschritten haben. Aufgrund der außerordentlichen Komplexität derartiger Vorgänge müssen auf der Basis einer langfristigen Strategie Einzelaspekte untersucht und zu einem Gesamtbild zusammengefasst werden. Aktuell beschäftigt sich die Wärmebehandlungssimulation mit dem Einfluss der Bauteilgeometrie auf die Maß- und Formänderungen speziell im Rahmen der Leichtbauentwicklungen und der Berücksichtigung von Effekten aus vorhergehenden Prozessen (bspw. der Umformung) bzgl. der Maß- und Formänderungen.

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Formänderungsberechnung: Zeitl. Entwicklung der Zahnkranz-Kippung und Phasenumwandlung während eines Abschreckprozesses in Öl

Im Fokus der Abschrecktechnologie stehen Arbeiten zur Charakterisierung der Abschreckwirkung von Ölen und wässrigen Polymerlösungen hinsichtlich der Zielgrößen Gefüge und Härte. Daneben werden auch weiterhin Arbeiten auf dem Gebiet des Gasabschreckens durchgeführt. Durch die Weiterentwicklung der Vakuumwärmebehandlungsanlagen auf dem Gebiet des Hochdruckgasabschreckens wurden neue Möglichkeiten eröffnet, flüssige durch gasförmige Abschreckmedien zu ersetzen, wenn die Härtbarkeit der eingesetzten Werkstoffe ausreicht. Die Abschreckwirkung wird in erster Linie über die Parameter Gasart, Abschreckdruck und Anströmgeschwindigkeit bestimmt. Es laufen zu diesem Themenfeld Untersuchungen zur Charakterisierung der Abschreckwirkung in Verbindung mit Vakuumwärmebehandlungen wie auch im Anschluss an Schutzgaswärmebehandlungen. Neben Aspekten der Verzugsminimierung stehen ökologische Aspekte im Vordergrund der Untersuchungen.

Projekte der Wärmebehandlung

Entwicklung eines Hochtemperatur-Wärmespeichers für die Speicherung von Abwärme aus der Nachverbrennung eines Nitrier-Ofens - NitroTES

Das Nitrieren ist ein essenzielles thermochemisches Verfahren für die Verbesserung der Randschichteigenschaften von Stahlbauteilen, jedoch energieintensiv. Die thermische Nachverbrennung zur Beseitigung von NH3-Emissionen setzt Abwärme bis 1000 °C frei, die bislang meist ungenutzt bleibt.

In Kooperation mit dem Leibniz-IWT Bremen entwickelt das Start-up Heatrix ein weltweit neuartiges System zur Energierückgewinnung: Ein 100 kWh Hochtemperaturspeicher mit keramischer Feststruktur nimmt die Prozesswärme auf und stellt sie für nachgelagerte (Anlass-)Prozesse bereit.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Schüttungen bietet die Feststruktur eine gezielte Strömungsführung und geringere Druckverluste, was die Effizienz steigert. Ein elektrischer Lufterhitzer sichert die Temperaturstabilität im Anlassofen. Dieser innovative Power-to-Heat Ansatz ermöglicht eine signifikante Reduktion fossiler Brennstoffe und bietet eine skalierbare Lösung für die thermochemische Wärmebehandlung.

Schematische Darstellung der Verkettung von Nitrierofen, TES und Anlassofen zur Dekarbonisierung der Wärmebehandlung

Dieses Bild wurde mit Hilfe künstlicher Intelligenz generiert.

 

Kooperation: Leibniz-IWT PB I / Heatrix 

Förderung: BAB, Senatorin für Umwelt, Klimaschutz und Wissenschaft Freie Hansestadt Bremen

 

 

Einfluss der fertigungsbedingten Randschichtveränderung auf die Nitrierbarkeit von Schmiedewerkzeugen

Das Nitrieren ist eine thermochemische Wärmebehandlung, bei der Stickstoff in die Bauteilrandschicht eindiffundiert wird, 
um die Randschichteigenschaften zu verbessern. Bei Temperaturen unterhalb von 600 °C wird eine Nitrierschicht an 
der Bauteiloberfläche gebildet, welche je nach Verfahrensvariante und behandelter Legierung aus Nitriden und/oder 
Carbonitriden besteht.

Da diese festigkeitssteigernden Ausscheidungen bis hin zur Nitriertemperatur stabil sind, wird das Nitrieren u. a. 
zur Verbesserung der Warmfestigkeit von Schmiedegesenken eingesetzt. Durch die geringen Prozesstemperaturen 
findet beim Erwärmen keine Phasenumwandlung und keine martensitische Härtung der Bauteile statt. Bedingt 
hierdurch kann die bauteilnahe Endfertigung bereits vor der Wärmebehandlung stattfinden. Somit wird ein Fertigungs-
schritt in der Prozesskette eingespart. Die Bearbeitung der Bauteile findet zumeist über spanende Fertigungsverfahren 
unter Zuhilfenahme von Kühlschmierstoffen statt. Hierbei führen Wechselwirkungen der Werkzeugrandschicht mit dem 
Bauteil und dem Kühlschmierstoff sowie der thermischen Last zu einer Entstehung von Randschichtzuständen, welche 
das Nitrierergebnis negativ beeinflussen. Die Abbildung zeigt beispielhafte Oberflächenzustände nach dem Schleifen mit 
unterschiedlichen Prozessparametern. In diesem Forschungsvorhaben wird untersucht, unter welchen Bedingungen 
Randschichtveränderungen während der Hartfeinbearbeitung entstehen und wie sich diese auf das Nitrieren auswirken, 
um eine optimale Abstimmung der einzelnen Arbeitsschritte in der Prozesskette nitrierter Werkzeuge und Bauteile zu 
ermöglichen.


Kooperation: Leibniz-IWT WT/FT
Förderung: BMWK-AiF/IGF (AWT)

WINDUCTION – Ökologisches Design einer alternativen Produktionsroute für Planetenzahnräder von Windturbinengetrieben

Das Hauptziel von WINDUCTION ist die Entwicklung eines umweltfreundlichen und energiesparenden Produktionsverfahrens für Zahnräder in Windturbinen-Getrieben, der basierend auf dem Ersatz der Einsatzhärtung durch das Induktionshärten erreicht werden soll.

Hierzu ist es wichtig, die Verteilung der Eigenspannungen in der Randschicht zu verstehen. Mittels Röntgenstrahlung wurden fünf Varianten untersucht, die sich in Bezug auf den Werkstoff (50CrMo4, 56NiCrMoV7, 56NiCrMoVBi7) und verschiedene Härte aus der Vorbehandlung (low hardness, high hardness) unterschieden. Im beiliegenden Diagramm sind die Ergebnisse für alle Varianten dokumentiert. Alle Varianten haben Druckspannungen in der Randschicht. 
In der Übergangzone ist ein Wechsel in Richtung Zugspannung zu erkennen. Die maximale Zugspannung erfolgt aus der Härte der entsprechenden Variante. Je höher die Härte, desto höher ist die maximale Zugeigenspannung.
 

 

Förderung: EU Projekt/RFCS-2020

 

Kontakt:
M.Sc. Grayson Babb
Tel.: +49 421 218 51331 
E-Mail: babb@iwt-bremen.de

Dr.-Ing. Holger Surm
Tel.: +49 421 218 51342 
E-Mail: surm@iwt-bremen.de 

Einsatz von randoxidationsfreien Aufkohlungsverfahren und mehrstufiger Umwandlung für hochfeste Randschichtzustände

Bei hochbeanspruchten antriebstechnischen Bauteilen kommt in der Regel das Einsatzhärten zur Anwendung. Dagegen sind isothermisch umgewandelte bainitische Randschichten bislang kaum untersucht worden.

Die aus dem Einsatzhärten resultierende Eigenschaftskombination eines duktilen Kerns und einer harten mit Druckeigenspannungen beaufschlagten Randschicht mit einer bainitischen Umwandlung zu kombinieren, bietet das Potential einer weiteren Steigerung der Dauerfestigkeit.
 

Die Charakterisierung der verschiedenen Varianten umfasst auch die Umlaufbiegeprüfung. Insgesamt sieben Varianten wurden getestet. Es ergibt sich für den Bereich der Zeitfestigkeit, beschrieben durch die Basquin-Gleichung, keine signifikant gesteigerte Schwingfestigkeit der bainitischen Varianten gegenüber der einsatzgehärteten Referenz.
 


Kooperation: WZL Aachen
Förderung: BMWK-AiF-IGF/AWT

 

Kontakt:
Dr.-Ing. Holger Surm
Tel.: +49 421 218 51342
E-Mail: surm@iwt-bremen.de 

FVA945I „Induktionshärten 3D-gedruckter Zahnräder“ – Induktionshärten funktionsintegrierter, additiv gefertigter Leichtbau-Stirnräder

Der nachhaltige Umgang mit der Umwelt sowie die effiziente Nutzung von Ressourcen ermöglichen den Erhalt unseres Planeten. Effiziente und nachhaltige Antriebsstränge können durch Zahnräder mit gesteigerter Leistungsdichte realisiert werden.

Die Kombination von additiver Fertigung und induktiver Wärmebehandlung führt mittels gesteigerter Festigkeit und verringertem Gewicht zur angestrebten höheren Leistungsdichte. Die additive Fertigung mittels PBF-LB/M ermöglicht innovative und kraftflussgerechte Leichtbaugestaltungen. Weiterhin weist das gedruckte Material eine hohe Versetzungsdichte auf, welche durch das effiziente Induktionshärten für eine höhere Randschichthärte sowie gesteigerte Bauteilfestigkeit genutzt werden kann. Im Vorhaben werden Modellproben und Zahnräder verschiedener Werkstoffe, Leichtbaudesigns und Wärmebehandlungen experimentell auf ihre Tragfähigkeit untersucht, um mechanische Kennwerte zu ermitteln und somit die optimale Kombination mit dem größtmöglichen Potential zu identifizieren.
 

 

Kooperation: FZG TU-München
Förderung: BMWK-AiF/IGF 20150 N/FVA 945 I

SFB/TRR 136 „Prozesssignaturen“ – Transferprojekt T06: Datenbasierte Lebensdauerprognose für eine funktionsorientierte Induktionshärtung

Das Projekt zielt darauf ab, die Prozessparameter einer Induktionshärtung so vorherzusagen, dass geforderte Bauteileigenschaften, wie die Schwingfestigkeit von Wellen, im Kontext einer funktionsorientierten Fertigung erfüllt werden. Dies wird durch die Invertierung der Prozesssignatur und die Berechnung lokaler Schwingfestigkeiten erreicht.

Im Rahmen des Transferprojekts werden spezifische Prozesssignaturen für die rein thermische Behandlung rotationssymmetrischer Bauteile entwickelt. Diese Signaturen, kombiniert mit den berechneten lokalen Festigkeiten und dreidimensionalen Spannungstensoren, dienen der Schwingfestigkeitsanalyse mittels des Fehlstellenmodells. Die erforderlichen Parameter für die Analyse werden durch experimentelle Untersuchungen ermittelt, hierbei werden unterschiedliche initiale Gefügezustände betrachtet und u. a. Eigenspannungsmessungen und Umlaufbiegeprüfungen durchgeführt. Die Methode wird in Kooperation mit einem Industriepartner anhand eines praxisrelevanten Beispielbauteils evaluiert.
 

 

Kooperation: eldec Induction GmbH
Förderung: DFG (Transferbereich SFB TRR136)

 

Kontakt:
M.Sc. Tobias Heinrich
Tel.: +49 421 218 51338 
E-Mail: heinrich@iwt-bremen.de

Einfluss von optimierten Tieftemperaturbehandlungen auf die Zahnradtragfähigkeit

Die Auswirkung von Tieftemperatureinflüssen auf die Zahnradtragfähigkeit wurde bereits in vorherigen Projekten untersucht.
Auf Grundlage dieser Untersuchungen können die Einflüsse tiefer Temperaturen auf die Tragfähigkeit einsatzgehärteter
Zahnräder quantifiziert werden.

Jedoch stehen derzeit keine ausreichenden Informationen für alle Temperaturbereiche sowie für weitere Baugrößen 
zur Verfügung. Des Weiteren sind die Wirkzusammenhänge, welche abhängig vom Werkstoff zu veränderten 
Randzonen- und Geometrieeigenschaften und in der Folge zu Tragfähigkeitsveränderungen führen, nicht
abschließend geklärt. Es wurden Untersuchungen im Röntgendiffraktometer durchgeführt. Das Tiefkühlen der Probe 
wurden in einer speziellen Messkammer mithilfe einer Sub-Zero-Einheit realisiert. So konnte der Verlauf der Phasen-
anteile der Randschicht einer aufgekohlten Probe während des Kühlens und Wärmens studiert werden. Ab einer 
Temperatur von ca. -20 °C setzte die Umwandlung von Restaustenit in Martensit ein. Diese setzt sich kontinuierlich
bis in einen Temperaturbereich bis -120 °C fort. Beim weiteren Kühlen als auch beim Wärmen sind keine weiteren 
Änderungen im Restaustenitgehalt zu identifizieren.
 

 

Kooperation: FZG
Förderung: BMWK-AiF/IGF + FVA

 

Kontakt:
Dr.-Ing. Holger Surm
Tel.: +49 421 218 51342
E-Mail: surm@iwt-bremen.de 

Einsatzgehärtete Wellen – Gezielte Berücksichtigung des Einsatzhärtens bei der Auslegung wellenartiger Bauteile

Das Einsatzhärten ist für die gezielte Dauerfestigkeitssteigerung von wellenartigen Bauteilen ein erprobter Standard in der Antriebstechnik. Wie in einer Vorstudie gezeigt wurde, vermögen die existierenden Rechenvorschriften für wellenartige Bauteile (DIN 743, FKMRichtlinie) jedoch nicht, den resultierenden Randschichtzustand differenziert in ein Dauerfestigkeitskonzept zu integrieren.

Einem einsatzgehärteten Bauteil werden über dessen Kohlenstoff-Tiefenverlauf lokale Festigkeitskennwerte zugeordnet. Diese Kennwerte werden an homogenen Werkstoffproben bestimmt, die für die Versuche im Prüfbereich durchgekohlt werden. Entsprechende Simulationsstudien liegen im Aufgabenbereich des Leibniz-IWT. Das Ergebnis dieser FEMRechnungen ist in Bezug auf die Verteilung des Kohlenstoffgehaltes, der Härte, des Restaustenitgehaltes und der Eigenspannung in der Abbildung dokumentiert.
 

 

Kooperation: IMM Dresden, IKAT Chemnitz
Förderung: BMWK-DLR-IGF/FVA

 

Kontakt:
Dr.-Ing. Holger Surm
Tel.: +49 421 218 51342
E-Mail: surm@iwt-bremen.de 

Legierungs- und Prozessdesign mit ICME-basierten Methoden zur Herstellung von Hochleistungskomponenten mit nanobainitischem Gefüge

Ziel dieses Projekts ist die Entwicklung eines integrierten Simulationsrahmens für die Entwicklung eines Einsatzstahls und eines Einsatzhärtungsprozesses mit optimierten Legierungselementen und Wärmebehandlungsparametern.

Es wird erwartet, dass an der aufgekohlten Oberfläche eine ultrafeine nano-bainitische Mikrostruktur entsteht, die wiederum die Dauerfestigkeit von Antriebskomponenten deutlich verbessert. Dies wird durch den Einsatz der ICME-Methodik und modernster experimenteller Überprüfungen sowie durch Benchmarking der Ergebnisse mit derzeit verfügbaren kommerziellen Materialien erreicht. Die entwickelte Stahlsorte und der Prozess werden zur Herstellung von Antriebskomponenten eingesetzt, zunächst in der Automobilindustrie und später in der Luft- und Raumfahrtindustrie.
 

 

Kooperation: IEHK Aachen
Förderung: FOSTA P1545

 

Kontakt: 
Dr. Chengsong Cui 
Tel.: +49 421 218 51404 
E-Mail: cscui@iwt-bremen.de 

Induktionshärten Wälzlager – Einfluss der Prozessparameter beim Induktivhärten auf die WEA/WEC-Anfälligkeit

White Etching Areas (WEA) und White Etching Cracks (WEC) wurden als ein maßgebliches Glied der Kausalkette von vorzeitigen Wälzlagerschäden identifiziert.

Das Ziel dieses Projektes ist die Entwicklung einer induktiven Wärmebehandlungsmethode zur Vermeidung von WEA-/WEC-Schaden in Wälzlagern. Verschiedene Wälzlagerprüfkörper mit sowohl Ring- als auch Scheibengeometrie werden untersucht, um eine umfangreiche Methode zu finden. Die ersten Vorversuche mit Scheibengeometrie werden bereits in unsere Härterei durchgeführt.

 

Kooperation: IWM Aachen University, MSE Aachen University

Förderung: FVA

Thermische Modifikation zur Festigkeitssteigerung hoch restaustenithaltiger carbonitrierter Randschichten durch Anlassen

In früheren Forschungsvorhaben wurde gezeigt, dass bei carbonitrierten Zahnrädern mit hoch restaustenithaltigen Einsatzschichten und nachfolgendem Anlassen bei hohen Anlasstemperaturen eine hinreichende Härte in der Randschicht erzielt sowie hohe Tragfähigkeiten erreicht wurden. Das Vorhaben fokussiert sich somit auf die wissenschaftlich-technischen Zusammenhänge zwischen dem Carbonitrieren in Kombination mit einer Hochtemperatur-Anlassbehandlung, dem daraus resultierenden Gefüge und dessen Eigenschaften im Bauteil.

Die Abhängigkeit der Härte und des Restaustenitgehaltes von der Temperatur der Nachbehandlung wurde an einem Einsatzstahl 18CrNiMo7-6 im carbonitrierten Zustand untersucht. Der Grundzustand weist nach dem Härten einen Restaustenitgehalt von 56 % bei einer Oberflächenhärte von ca. 64 HRC auf. Durch das Tiefkühlen steigt die Härte aufgrund der Restaustenitumwandlung in Martensit an. Die Anlassbehandlung führte ebenfalls zu einer Umwandlung des Restaustenitgehaltes. Dabei kann bei 250 °C noch ein Restaustenitgehalt über 20 Masse-% bestimmt werden. Weiterhin besteht die Tendenz der kontinuierlichen Abnahme der Härte durch das Entspannen des Martensits.

 

 

Kooperation: IWT-WT / FZG TU München

Förderung: BMWE-DLR / IGF + FVA

 

Untersuchung des Verzugsverhaltens nitrierter Tellerräder von Kegelrad- und Hypoidverzahnungen

In früheren FVA Forschungsvorhaben konnte an nitrierten Stirnrädern eine höhere Zahnfuß- und Grübchentragfähigkeit im Vergleich zur ISO-Norm ermittelt werden. Eine Untersuchung der Übertragbarkeit des Nitrierens hinsichtlich des Verzugsverhaltens und der Tragfähigkeit auf Kegelrad- und Hypoidverzahnungen ist bislang nicht erfolgt. In einer Machbarkeitsstudie soll daher das Verzugsverhalten von nitrierten Tellerrädern dem Verzugsverhalten einsatzgehärteter Tellerräder der gleichen Geometrie gegenübergestellt werden.

Am Beispiel der Änderung der Kopfkegelwinkelabweichung kann anschaulich der grundsätzliche Unterschied im Verzugsverhalten von Kegelrädern zwischen der beiden Wärmbehandlungsverfahren aufgezeigt werden. Infolge einer Einsatzhärtung wird eine charakteristische Verkippung des Grundkörpers aufgrund der Umwandlungsvorgänge beim Abschrecken beobachtet. Beim Nitrieren treten entsprechend der Zeit-Temperatur-Folge keine Phasenumwandlungen auf, wodurch keine Formänderungen des Grundköpers zu erwarten sind.

 

 

Kooperation: IWT-WT / FZG TU München

Förderung: FVA

LowROx – Bessere Schleifbarkeit von Zahnrädern durch Reduzierung der Randoxidation bei der Gasaufkohlung

Die Gasaufkohlung mit anschließender Ölabschreckung ist das am weitesten verbreitete Einsatzhärtungsverfahren für Zahnräder. Durch das Vorhandensein von Sauerstoff in der Ofenatmosphäre kommt es bei der Gasaufkohlung durch Randoxidation zur Bildung einer nicht-martensitischen Transformationsschicht. 

Diese relativ weiche Transformationsschicht wirkt sich stark nachteilig auf das an die Wärmebehandlung angeschlossene Verzahnungsschleifen aus, weil sich die Schleifscheibe durch das weiche Material schneller zusetzt und Aufschweißungen auftreten. Aus diesem Grund sollen im Projekt LowROx verschiedene Strategien zur Reduzierung der Randoxidation untersucht werden, um somit die Leistungsfähigkeit von Schleifprozessen zu erhöhen. Dazu zählen beispielsweise die Veränderung der Gaszusammensetzung in der Kohlungsatmosphäre. Außerdem soll durch den Einsatz eines Plasmainjektors die Verwendung von reinen Kohlenwasserstoffen für den Kohlungsprozess ermöglicht werden.

 

Kooperation: IWT-WT / WZL RWTH Aachen

Förderung: BMWE-DLR/IGF 

 

N-Standards – Entwicklung von Kalibrierstandards für hohe Stickstoffgehalte in nitrierten Stählen

Das Projekt N-Standards adressiert die eingeschränkte Vergleichbarkeit von Stickstoffmessungen in nitrierten Stählen, die auf das Fehlen geeigneter Kalibrierstandards zurückzuführen ist. Ziel des Projekts ist die Entwicklung zuverlässiger und rückführbarer Kalibrierstrategien für physiko-chemische Analysenmethoden, insbesondere für die Glimmentladungs-Optische Emissionsspektroskopie (GDOES).

In den vergangenen Monaten wurde ein Kettenkalibrieransatz entwickelt und validiert, der zertifizierte Stahlstandards, stöchiometrische Nitridbeschichtungen und diffusionsbasierte Simulationen kombiniert. Dadurch konnte eine quantitative Stickstoff-Tiefenprofilierung mit reduzierter Messunsicherheit (≈ 10 %) sowie physikalisch konsistenten Ergebnissen über Verbindungsschicht und Diffusionszone hinweg erreicht werden.

Weitere Entwicklungspotenziale liegen in der Herstellung von Referenzmaterialien mit definierten hohen Stickstoffgehalten sowie in der Übertragung des Konzepts auf weitere Nitridsysteme. Die erzielten Ergebnisse leisten einen Beitrag zur verbesserten Qualitätssicherung in der industriellen Wärmebehandlung und Oberflächentechnik.

 

Kooperation:  AWT, Robert Bosch GmbH, Prof. Hoffmann Werkstofftechnik, Härterei Carl Gommann GmbH

Förderung: BMWK, gefördert via AiF / IGF 

NanoWinTur – Entwicklung von hochsiliziumhaltigen Einsatzstählen

Im Projekt NanoWinTur werden siliziumhaltige Einsatzstähle für den Einsatz in Getrieben von Windenergieanlagen entwickelt. Der hohe Siliziumanteil soll beim Einsatzbainitisieren von Zahnrädern für die Bildung von karbidfreiem, nanostrukturiertem Bainit in der Randzone sorgen, wodurch sehr gute Festigkeiten erwartet werden. 

Das Umwandlungsverhalten von vier Versuchsschmelzen mit bis zu 1,5 Ma.-% Silizium wurde bei verschiedenen Kohlenstoffgehalten im Dilatometer charakterisiert. Zusätzlich erfolgten metallographische Untersuchungen und Härteprüfungen. Für den nächsten Schritt wurden Proben zur Prüfung der mechanischen Eigenschaften gefertigt, in einer Niederdruckvakuumanlage aufgekohlt und anschließend nach einem erneuten Austenitisieren im Salzbad bainitisch umgewandelt.

Die vielversprechendste Legierung soll ausgewählt werden, um im weiteren Verlauf Zahnräder herzustellen und zu prüfen.

 

Kooperation: IWT-WT / CENIM-CSIC / Sidenor / RWTH Aachen (WZL) / ZF 

Förderung: EU-Projekt 101112398, RFCS-2022

Steigerung der Zeitfestigkeit nitrierter Verzahnungen

In vorherigen Forschungsvorhaben konnte nachgewiesen werden, dass durch Nitrieren hohe Tragfähigkeitskennwerte bei Zahnrädern erzielbar sind. Allerdings reagieren nitrierte Verzahnungen empfindlich auf kurzzeitige Überlastungen, was sich in frühzeitigen Ausfällen im Zeitfestigkeitsbereich äußert.

In der praktischen Anwendung müssen somit hohe Sicherheitsfaktoren einkalkuliert werden, so dass das Potenzial der theoretisch möglichen Tragfähigkeiten nicht ausgeschöpft wird. Im Projekt soll daher die Zeitfestigkeit nitrierter Verzahnungen durch gezielte Maßnahme im Bereich der Wärmebehandlung gesteigert werden.

Aus einer umfassenden Analyse der vorliegenden Ergebnisse zum Einfluss des Kerngefüges auf die Zahnfußnennspannung im Zeitfestigkeitsbereich ergab sich ein Optimum im Bereich einer Kernhärte von etwa 300 HV1. Entsprechend wurde die Rohlinge zur Herstellung der Prüfverzahnung bei unterschiedlichen Anlasstemperaturen behandelt, um eine umfassende Variation der Kernhärte einzustellen.

 

Kooperation: IWT-WT / FZG TU München

Förderung: BMWE-DLR / IGF + FVA

 

Von der Urformung bis zum Bauteilrecycling - Digitalisierte, zirkuläre Fertigungsketten und Energiebetrachtung mit DiStEL

Im Projekt DiStEL wird das Recycling von Stahl am Beispiel einer E-Axle experimentell und digital simuliert. Dafür wurden am IWT Stahlschmelzen gezielt mit Kupfer und Zinn „verunreinigt“, um deren Anreicherung in der Elektrostahlroute zu simulieren. Die Gussblöcke werden von den Kooperationspartnern weiterverarbeitet und kehren im späteren Verlauf des Projekts als Wälzlagerringe und Rohlinge für Zahnräder zurück. Am IWT wurden und werden diese dann mechanisch und metallographisch analysiert.

Während der Fertigungsschritte wurden die Energieverbräuche gemessen, um sowohl dem gesamten Prozess als auch den Prozessschritten und Bauteilen individuelle CO₂-Lasten zu zuordnen und nachverfolgen zu können. 

Parallel wird die Wärmebehandlungsontologie (HTO) entwickelt, die wesentliche Aspekte der Wärmebehandlung semantisch abbilden soll. Sie leistet damit einen Beitrag zur Digitalisierung der Fertigungskette von Stahl und ist eine Anwendungsontologie der Platform MaterialDigital Core Ontology (PMDco).

 

Kooperation:

Leibniz-IWT PB I / PB II, Decoit / Bosch / Schaeffler / FIZ Karlsruhe / Fraunhofer IWM / ICAMS Bochum / IEHK Aachen

Förderung: MaterialDigital3, BMFTR

 

Einfluss der fertigungsbedingten Randschichtveränderung auf die Nitrierbarkeit von Schmiedewerkzeugen

Das Nitrieren ist eine thermochemische Wärmebehandlung, bei der Stickstoff in die Bauteilrandschicht eindiffundiert wird, um die Randschichteigenschaften zu verbessern. Bei Temperaturen unterhalb von 600 °C wird eine Nitrierschicht an der Bauteiloberfläche gebildet, welche je nach Verfahrensvariante und behandelter Legierung aus Nitriden und/oder Carbonitriden besteht. 

Da diese festigkeitssteigernden Ausscheidungen bis hin zur Nitriertemperatur stabil sind, wird das Nitrieren u. a. zur Verbesserung der Warmfestigkeit von Schmiedegesenken eingesetzt. Durch die geringen Prozesstemperaturen findet beim Erwärmen keine Phasenumwandlung und keine martensitische Härtung der Bauteile statt. Bedingt hierdurch kann die bauteilnahe Endfertigung bereits vor der Wärmebehandlung stattfinden. Somit wird ein Fertigungsschritt in der Prozesskette eingespart. Die Bearbeitung der Bauteile findet zumeist über spanende Fertigungsverfahren unter Zuhilfenahme von Kühlschmierstoffen statt. Hierbei führen Wechselwirkungen der Werkzeugrandschicht mit dem Bauteil und dem Kühlschmierstoff sowie der thermischen Last zu einer Entstehung von Randschichtzuständen, welche das Nitrierergebnis negativ beeinflussen. In diesem Forschungsvorhaben wurde untersucht, unter welchen Bedingungen Randschichtveränderungen während der Hartfeinbearbeitung entstehen und wie sich diese auf das Nitrieren und die erzielten randschichtzustände auswirken, um eine optimale Abstimmung der einzelnen Arbeitsschritte in der Prozesskette nitrierter Werkzeuge und Bauteile zu ermöglichen. 

Kooperation: Leibniz-IWT-PB1/PB3

Förderung: BMWK / IGF-DLR-PT (AWT)

„TIRIKA“ - Technologien und Reparaturverfahren für nachhaltige Luftfahrt in der Kreislaufwirtschaft – Materialentwicklung (Metall)

Um eine umweltfreundliche Luftfahrt zu realisieren, sind die Erhöhung des Leichtbaugrads, der Einsatz von Werkstoffen für neue Antriebstechnologien und die Verlängerung der Bauteillebensdauer von hoher Relevanz. Ziel ist die Entwicklung einer Wärmebehandlung, die den Einsatz bekannter Leichtbaulegierungen für Wasserstoffanwendungen ermöglicht. 

Durch Wärmebehandlung und Oberflächenmodifikation sollen die Festigkeit der Leichtbaulegierungen AlCr1,5Mo0,8Sc0,5Zr0,3 (ScanChromAl) und AlSi3,5Mg2,5 (Custalloy) optimiert und deren Wasserstofftauglichkeit verbessert werden. Beim Ausscheidungshärten wurden unterschiedliche Auslagerungszustände eingestellt und untersucht, welche Gefügemerkmale sich als robust gegenüber einer Wasserstoffversprödung erweisen. Ergebnisse der Wasserstoffbeladung sind im Bild XX zu sehen Außerdem soll untersucht werden, ob sich eine Randschichtbehandlung, wie z. B. das Nitrieren, positiv auf die mechanischen Eigenschaften von LPBF gefertigten Bauteilen auswirkt.

Kooperation: Airbus, Fraunhofer IFAM Bremen, Fraunhofer ILT Aachen

Förderung: BMWK-LuFo

Dieses Bild wurde mithilfe künstlicher Intelligenz generiert.

TurboHochtemperaturStahl: Steigerung der Getriebeleistungsdichte durch hochtemperaturbeanspruchbare Werkstoffsysteme für Zahnräder und Wälzlager

Eine technische Grenze bei der Gewichts- und Baugrößenreduktion von Getrieben – insbesondere in Hochdrehzahlanwendungen – stellt häufig die Sicherstellung einer ausreichenden Kühlung dar. Steigende Drehzahlen verursachen im Wälzkontakt eine Steigerung der infolge Reibleistung erzeugten Wärmeenergie, welche durch die verringerte Bauteil- und Gehäusegröße sowie die schlechte Zugänglichkeit von Schmierstoff zum Zahnrad und Lager nicht ausreichend abgeführt werden kann.

Somit kommt es zu einer Erhöhung der Betriebstemperatur. Insbesondere für funktionsintegrierte Getriebekomponenten, z. B. Planetenräder, ist die Wärmeabfuhr herausfordernd, da mehrere Wärmequellen in einer Komponente vorliegen und separate Anforderungsprofile aufweisen (Lagerung + Zahneingriff).

Das Ziel des Forschungsvorhabens ist es durch veränderte Randschichtgefüge durch Carbonitrieren und Bainitisieren nach dem Einsatzhärten konventioneller Einsatzstähle (20MnCr5) einzustellen, die aufgrund ihrer Phasenzusammensetzung den gesteigerten Betriebstemperaturen Standhalten. Ferner werden alternative Werkstoffkonzepte im einsatzgehärteten und/oder nitrierten Zustand erprobt, deren Warmfestigkeit aus der Legierungskonstellation gesteigert ist (42NiSiCrMo8-7-3, M50NiL und HybridSteel55). Die Anlassbeständigkeit der Zustände wird durch ein gezieltes Altern bei 210 °C untersucht (siehe Bild XX).

Neben der Entwicklung maßgeschneiderter Wärmebehandlungen für die Stähle, wird ein neues Prüfkonzept bei gesteigerten Temperaturen von bis zu 210 °C beim Projektpartner WZL in Aachen aufgebaut, um die Zahnradtragfähigkeit bei Betriebstemperatur zu erproben.

 

Kooperation: WT-WB, WZL-Aachen

Förderung: BMWi-AiF/IGF, FVV1386 

Ammoniak Wandungsreaktion: Optimierung der Ammoniak-Zerfallsreaktionen beim Nitrieren

Das Gebrauchsverhalten von Bauteilen lässt sich durch thermochemisches Aufsticken in ammoniakhaltigen Atmosphären signifikant verbessern. Das Ergebnis hängt maßgeblich vom Anteil des ungespaltenen Ammoniaks ab, der durch thermischen Zerfall sowie katalytische Reaktionen an Bauteilen und Ofenwandungen bestimmt wird. Besonders in großen Öfen führen heterogene Gasphasenpyrolyse und geringe Raumgeschwindigkeiten häufig zu inhomogenen Behandlungsergebnissen.

Ziel des Forschungsvorhabens ist die Aufklärung der Ammoniak-Zerfallsreaktionen an unterschiedlichen Ofenwandungswerkstoffen und der daraus resultierenden Veränderungen der katalytischen Werkstoffrandschicht. Mittels Laboruntersuchungen zur Gasphasenpyrolyse sowie Betriebsversuchen zu Langzeitveränderungen der Randschicht sollen Reaktionskinetik und Katalyseverhalten analysiert werden.

Eine gezielte Anlagenauslegung und ein optimierter Betrieb steigern die Effizienz der Wärmebehandlung und senken nachhaltig die Betriebskosten.

 

Kooperation: Leibniz-IWT PB I

Förderung: FOGI, BMWK IGF / DLR-PT