Zum Inhalt springen
19. Apr. 2022

Seit Ende 2021 verfügt das Leibniz-IWT über eine neue Arbeitsgruppe: Metallurgie und Umformtechnik. Eingegliedert in die Hauptabteilung Werkstofftechnik, konzentriert sich die Gruppe auf die vorgelagerten Prozesse in der Metallurgie und Werkstofftechnik. Dies erweitert die Forschungsmöglichkeiten in der Legierungsentwicklung und vervollständigt mit der Metallerzeugung und -verarbeitung die gesamte Prozesskette am Institut, wodurch zukünftig die Unabhängigkeit der Forschung am Leibniz-IWT weiter verstärkt wird.

Das Forschungsthema der neu aufgebauten Gruppe konzentriert sich zunächst auf die Flüssigmetallurgie, d.h. die Herstellung von Stahl- und Aluminiumschmelzen. Mithilfe einer neuen Vakuum-Induktionsanlage (Inbetriebnahme Q4/2022) können Laborschmelzen mit einem maximalen Volumen von 20 Litern im steigenden und fallenden Gussverfahren hergestellt werden, wobei sowohl Mehrfachguss als auch Zwischenlegierungen möglich sein werden. Synergiearbeiten mit anderen Abteilungen wie Sprühkompaktieren und Metallzerstäubung (Hauptabteilung Verfahrenstechnik) sowie Wärmebehandlung, Leichtbauwerkstoffe und Strukturmechanik (Hauptabteilung Werkstofftechnik) werden in diesem Bereich noch stärker als bisher im Fokus stehen.

Weitere Anlagen zur physikalischen Simulation der industrienahen thermomechanischen Umformprozesse wie das Warmwalzen von Stabstahl und Blechen befinden sich in Planung. Geplant ist, dass hier industrielle Zwischenprodukte und Presslinge auf die Wirkung verschiedener Parameter untersucht werden können. Außerdem liefert die Gruppe die Vorprodukte für die hauseigene Getriebe- und Lagerfertigung und Wärmebehandlung, einem der Forschungsschwerpunkte am Leibniz-IWT. Parallel dazu wird die mikrostrukturelle Entwicklung bei thermomechanischen Prozessen auch mit weiteren modernsten Forschungsmethoden in anderen Abteilungen des IWT sowie mithilfe thermokinetischer Berechnungen untersucht.

Assoc. Prof. (Thai) Dr.-Ing. Piyada Suwanpinij hat die Leitung der Arbeitsgruppe übernommen. Ihr Werdegang in der Metallurgie- und Umformtechnik begann mit einem Bachelor-Studium an der Chulalongkorn University in Bangkok, Thailand, bevor sie ihren Master in Advanced Metallurgy an der University of Sheffield in Großbritannien absolvierte. Ihr erster Aufenthalt in Deutschland begann 2006, als sie als Doktorandin am Institut für Eisenhüttenkunde (IEHK) der RWTH Aachen ihre Promotion zum Thema "Multi-scale Modelling of Hot Rolled Dual-Phase Steels for Process Design" abschloss. Sie setzte ihre Karriere 2012 als Dozentin an der Sirindhorn International Thai-German Graduate School of Engineering (TGGS), King Mongkut's University of Technology North Bangkok (KMUTNB) fort und erhielt 2018 den akademischen Grad Associate Professor. Außerdem wurde sie als "Outstanding Young Metallurgist of Thailand 2018" ausgezeichnet und arbeitet eng mit verschiedenen Forschungseinrichtungen in Europa und Thailand zusammen.