Zum Inhalt springen
04. Nov. 2021

Am 20.10.2021 verstarb plötzlich und unerwartet der frühere Leiter des IWT, Herr Prof. Dr.-Ing. habil. Peter Mayr, in seinem 83. Lebensjahr. Viele IWT-Mitarbeitende hat Herr Prof. Mayr auf ihrem Weg begleitet, für viele war er wichtiger Ratgeber und oft auch Doktorvater. Allen werden seine wissenschaftlichen Leistungen, sein außerordentliches Engagement und seine großen Verdienste für das Institut in ehrenvoller Erinnerung bleiben.

Nach Physikstudium an der TH Stuttgart, Diplomarbeit am MPI Stuttgart, Promotion und Habilitation bei Professor Eckard Macherauch an der TU Karlsruhe (heute KIT) sowie Forschungstätigkeit auf dem Gebiet des Schwingfestigkeitsverhaltens von metallischen Werkstoffen übernahm Herr Mayr 1981 die Leitung des „Instituts für Härterei­Technik“ in Bremen als Nachfolger von Herrn Prof. Otto Schaaber. In den folgenden über 20 Jahren seiner Amtszeit legte Herr Mayr die Grundsteine für das heutige Leibniz-IWT, indem er das Institut reformierte, mit großem Pioniergeist weiterentwickelte und fachspezifische Abteilungen in der Werkstofftechnik einführte.

Peter Mayr wurde 1983 auf die Professur für Werkstoffwissenschaften am Fachbereich Produktionstechnik der Universität Bremen berufen. Hier war er seit Eröffnung des Fachbereichs mit großem Engagement in die Ausbildung der Ingenieurinnen und Ingenieure eingebunden. Ihm war es dabei ein besonderes Anliegen, Grundlagen mechanismenbasiert zu vermitteln, um so das Verständnis der Werkstoffreaktionen im Fertigungsprozess und im Einsatz zu stärken und einen sinnvollen Einsatz zu ermöglichen. Im Jahr 1993 war er der erste ingenieurwissenschaftliche Preisträger des Berninghausen-Preises, der für ausgezeichnete Lehre und Innovation an der Universität Bremen vergeben wird.

Gemeinsam mit Prof. Dr.-Ing. Klaus Bauckhage und Prof. Dr.-Ing. habil. P. Günther Werner erfolgte die Weiterentwicklung der „Stiftung Institut für Härterei-Technik“ Mitte der 80er-Jahre zu der „Stiftung Institut für Werkstofftechnik (IWT)“ mit der Etablierung der Fertigungstechnik und der Verfahrenstechnik als selbstständige Hauptabteilungen. Seit 1986 war Herr Prof. Mayr Geschäftsführender Direktor dieses erweitert aufgestellten IWT sowie Leiter des angegliederten Landesamtes für Baustoffprüfung als „Amtliche Materialprüfungsanstalt des Landes Bremen“ (MPA). Im Jahr 1990 erfolgte der Umzug des IWT aus Bremen-Lesum in den Neubau am Campus der Universität. Das neue Gebäude eröffnete zusätzliche Möglichkeiten, die sich in der Hinzunahme neuer Aufgaben und dem Ausbau klassischer Arbeitsgebiete niederschlugen.

Aus der Initiative von Prof. Mayr ging so im Jahr 2000 der Sonderforschungsbereich 570 "Distortion Engineering - Verzugsbeherrschung in der Fertigung" hervor, der fünfte SFB der Universität Bremen. Ein Schwerpunkt der Forschungstätigkeiten innerhalb der Hauptabteilung Werkstofftechnik blieb das klassische Arbeitsgebiet der AWT, die Wärmebehandlung. Hier gelang es, Einrichtungen aufzubauen, die es erlauben, Forschungs- und Entwicklungsarbeiten auf nahezu dem gesamten Gebiet der Wärmebehandlung durchzuführen. Das damit eng verknüpfte Gebiet der Oberflächentechnik wurde in dieser Zeit auf- und ausgebaut, sodass hier Randschichtbereiche vom Nano- bis zum Millimeterbereich beeinflusst werden konnten. Entsprechend der früheren Arbeitsrichtung von Herrn Prof. Mayr entstand darüber hinaus die Abteilung Strukturmechanik, die sich mit der Erfassung und der Vorhersage der Zusammenhänge zwischen Fertigung und mechanischen Eigenschaften sowie der Zuverlässigkeit von Bauteilen beschäftigt. Für eine schlagkräftige Analytik werkstofftechnischer Arbeiten gelang es zudem, die Metallographische Analytik und die Physikalische Analytik aufzubauen, die bis heute in ihrer Struktur bestehen und sich dabei inhaltlich kontinuierlich weiterentwickeln. Auch das Aufgabengebiet der MPA wurde unter seiner Leitung um die Prüfung metallischer Werkstoffe erweitert. Zudem wurden die neuen Arbeitsrichtungen der Analytischen Baustoffmikroskopie sowie der Mikrobiologie aufgebaut.

Mit bewundernswertem persönlichem Einsatz hat Herr Mayr darüber hinaus Aufgaben in der Gemeinschaftsforschung, überzeugt von ihrer Notwendigkeit und von ihrem Vorteil für die wissenschaftliche Gemeinschaft, übernommen: als Gutachter der AIF, der AVIF, der bayrischen Forschungsstiftung sowie der DFG, im Wissenschaftlichen Rat der AIF und nicht zuletzt als Obmann der Fachausschüsse der AWT, der unverzichtbaren Basis für die industrielle Gemeinschaftsforschung in der AWT. Der Bundespräsident berief ihn als ausgewiesenen Kenner der deutschen Forschungslandschaft 1997 in den Wissenschaftsrat und bestätigte die Berufung 2000 für eine zweite Amtsperiode.

Auch das Amt als Chefredakteur der HTM gehörte von Anfang an zu den Pflichten von Herrn Prof. Mayr ‒ und er hat diese Aufgabe nie als Pflichtübung betrachtet. Nachdrücklich, leidenschaftlich und auch genügend hartnäckig verfolgte er sein Ziel, den Rang der HTM als eine der deutschsprachigen technisch-wissenschaftlichen Zeitschrift der Fachcommunity zu erhalten und weiterzuführen, wobei ihm die Fülle der Ergebnisse aus seinem Institut geholfen haben, die internationale Bedeutung und die Attraktivität der HTM zu festigen.

Mit seiner Begeisterungsfähigkeit und großen Expertise war es eine Fähigkeit von Herrn Mayr, seine Mitarbeitenden zu motivieren, wissenschaftliche Leistungen und Engagement anzuerkennen und stetig zu fördern, was äußerst geschätzt wurde. Innerhalb seiner Amtszeit konnte er die Anzahl der Beschäftigten mehr als verdreifachen.

Diese Mitarbeitenden und das gesamte IWT nehmen nun Abschied von Herrn Prof. Mayr in hoher Anerkennung seines Wirkens. Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt seinen Angehörigen und allen, die ihm eng verbunden sind.


Herr Professor Mayr hat mich und meinen Werdegang nachhaltig geprägt. Und das nicht nur durch das tiefe Verständnis für metallische Werkstoffe als Basis seiner Vorlesung, die ich im September 1991 das erste Mal besuchen durfte, sondern auch durch seine durch und durch integre Art.“
Prof. Dr.-Ing. habil. Brigitte Clausen

Peter Mayr war ungeheuer vielseitig wirksam und ein ganz bedeutender Knotenpunkt vieler Aktivitäten und Kontakte weit über das IWT hinaus.Er war immer voller Ideen und Projekte, und sein umfangreiches Fachwissen und große Erfahrung sorgten dafür, dass sein Rat und seine Vermittlung von Kontakten immer hilfreich waren. Man suchte diese auch gerne, wegen seiner um- und zugänglichen Persönlichkeit und nicht zuletzt seines Humors. Der war schwäbisch "knitz".“
Dr. rer. nat. Dipl.-Ing. Stefan Hock

"Peter Mayr war ein Ingenieur im Sinne des Wortes und durch sein Physikstudium im Denken geprägt. Für ihn war es wichtig, dass seine Studenten und Wissenschaftler die physikalischen Mechanismen der Werkstofftechnik kennen, um das Werkstoffverhalten zu verstehen, Werkstoffe zielgerichtet einsetzen zu können, neue Verfahren entwickeln zu können und Werkstoffversagen zu vermeiden."
Prof. Dr.-Ing. habil. Franz Hoffmann

"Für mich war Prof. Mayr nicht nur ein hervorragender Stahlfachmann, mich faszinierte viel mehr seine Fähigkeiten als Manager, Motivator und Unternehmer. Ohne diese Eigenschaften hätte er nie die Transformation vom kleinen Lesumer IHT zum international sichtbaren IWT auf dem Campus der Universität Bremen erreicht. Vor allem der Unternehmer Mayr hat mich bis heute geprägt und dafür bin ich ihm ewig dankbar!"
Dr. Frank Stahl

Zur Trauerseite: trauer.weser-kurier.de/traueranzeige/prof-dr-peter-mayr/anzeigen