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01. Jun. 2020

Zum 1.6.2020 nimmt Herr Prof. Dr.-Ing. habil. Rainer Fechte-Heinen seine Tätigkeit als neuer Geschäftsführender Direktor und Leiter der Hauptabteilung Werkstofftechnik des Leibniz-IWT sowie als Leiter der MPA Bremen auf und tritt die Nachfolge von Herrn Prof. Dr.-Ing. Hans-Werner Zoch an. Die Karriere von Herrn Fechte-Heinen begann mit seinem Maschinenbaustudium mit den Schwerpunkten Werkstoffsimulation und Mechanik und der anschließenden Promotion. Nach erfolgreichem Abschluss nahm er seine langjährige Tätigkeit in der Werkstoffentwicklung bei der thyssenkrupp Steel Europe AG auf und arbeitete parallel an seiner Habilitation, engagierte sich in der Lehre und wurde 2018 zum Honorarprofessor an der Ruhr-Universität Bochum ernannt. Doch wer ist Herr Prof. Dr. Fechte-Heinen privat, wie sieht er das Leibniz-IWT und welche Vision hat er für das Institut?

Herr Prof. Fechte-Heinen, was hat Sie am meisten an der Tätigkeit am Leibniz-IWT und an der Universität Bremen gereizt?

Darauf gäbe es ziemlich viele unterschiedliche Antworten, denn das Leibniz-IWT, die dortige Werkstofftechnik und die MPA Bremen sind sehr vielfältig aufgestellt und verfügen in jedem ihrer Tätigkeitsfelder nicht nur über erfahrene und erfolgreiche Experten, sondern auch über eine Ausstattung, die nur an wenigen Forschungsinstituten zu finden ist. Zudem liegt ein wichtiger Schwerpunkt beim Werkstoff Stahl, der mich seit vielen Jahren beschäftigt und immer wieder neu fasziniert. Im Fachbereich 4 Produktionstechnik ist eine einmalige Kombination an Expertise unter anderem in der Werkstofftechnik vertreten. Ich freue mich darauf, mich in diesem Umfeld einbringen zu können!

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Auf die gute Zusammenarbeit mit meinen neuen Kolleginnen und Kollegen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Das Leibniz-IWT steht für eine gelebte Zusammenarbeit zwischen Werkstofftechnik, Fertigungstechnik und Verfahrenstechnik, woran ich gerne anknüpfen werde. Und dass dies viel mehr als nur ein historisch gewachsener Zusammenschluss unterschiedlicher Forschungsrichtungen ist, habe ich in meinen Gesprächen in Bremen immer wieder festgestellt: Ich konnte mich bereits mit einigen Personen am Leibniz-IWT austauschen und habe die Kombination aus Begeisterungsfähigkeit und fachlicher Kompetenz, die in jedem dieser Gespräche zu spannenden gemeinsamen Themen führte, bereits sehr zu schätzen gelernt. Gleiches gilt übrigens auch im Fachbereich 4 Produktionstechnik, in dem ich mich von Beginn an in Lehre und Forschung einbringen möchte. Daher habe ich am Leibniz-IWT und an der Universität Bremen schlicht und einfach meinen „Traumjob“ gefunden.

Was ist Ihnen wichtig für die Zukunft?

Vor allem muss das Leibniz-IWT sowohl für die Mitarbeitenden als auch die verschiedenen Kooperationspartner in Industrie und Wissenschaft das bleiben, was es bisher ist: ein zuverlässiger, kompetenter und starker Partner in der Forschung und Entwicklung sowie in der Dienstleistung. Darüber hinaus sehe ich einige Themenbereiche, welche die Forschungslandschaft des Leibniz-IWT sehr gut ergänzen könnten und in denen ich bereits einiges an Erfahrung mitbringe. Ich freue mich darauf, vieles davon schon bald gemeinsam mit den entsprechenden Beteiligten am Leibniz-IWT angehen zu können. Zusammenfassen ließe sich meine Zukunftsvision, wenn man es so nennen möchte, also mit den Worten „Bewährtes weiterentwickeln und Passendes ergänzen“.

Was wird vermutlich das Erste sein, was Sie nach Amtsantritt angehen werden?

Zuerst werde ich mich darum kümmern, die Mitarbeitenden des Leibniz-IWT trotz der aktuellen Situation möglichst schnell besser kennen zu lernen. Am liebsten hätte ich eine größere Veranstaltung für alle Mitarbeitenden gemacht, um mich vorzustellen und auch Gelegenheit zu geben, sich persönlich zu unterhalten. Das wird aber in der aktuellen Situation leider nicht möglich sein. Daher haben wir für die ersten Wochen zunächst Termine mit den Abteilungsleitenden der IWT-Werkstofftechnik und der MPA sowie weiteren wichtigen Ansprechpersonen gemacht, um unter anderem zu besprechen, wie ich mich den Mitarbeitenden stattdessen vorstellen kann.

Wie bewerten Sie die aktuelle Situation zur Covid-19-Pandemie und die daraus folgenden wirtschaftlichen Auswirkungen?

Wir alle können der Presse täglich entnehmen, welch schwerwiegende Folgen die Pandemie für alle Bereiche des Lebens hat. Dies gilt auch für das Leibniz-IWT. Ich bin sehr froh, dass hier frühzeitig reagiert und umsichtig unter Einbeziehung der entsprechenden Stellen gehandelt wurde.
Natürlich sind viele Maßnahmen sehr gewöhnungsbedürftig und insbesondere der persönliche Kontakt fehlt – gerade für diejenigen, die wie ich jetzt neu am Institut sind. Aber dadurch, dass in Deutschland früh und konsequent reagiert wurde, gibt es die berechtigte Hoffnung, dass langsame Lockerungen der Maßnahmen in nächster Zeit möglich sind – obwohl die Pandemie noch lange nicht überwunden ist. Auch am IWT werden wir genau prüfen, was wie lange erforderlich ist. Hierzu war ich auch im Vorfeld schon in die engen Abstimmungen eingebunden und werde dies entsprechend fortführen. Ein weiterer Aspekt für das Leibniz-IWT sind die wirtschaftlichen Folgen, denn auch für unser Institut werden dieses und das nächste Jahr natürlich deutlich schwieriger, als es ohne die Pandemie der Fall gewesen wäre. Aber zum Glück sind wir so gut aufgestellt, dass wir zweifellos auch diese schwierige Zeit gemeinsam meistern werden.

Haben Sie eine Verbindung zur Stadt Bremen bzw. konnten Sie sich schon gut einleben?

Die Stadt Bremen habe ich vor über zehn Jahren bei einem Urlaub mit meiner Frau kennengelernt und wir haben uns hier auf Anhieb wohlgefühlt: Bremen hat für mich ein ganz eigenes Flair. Es ist schön, in einer Großstadt mit dem entsprechenden Angebot zu wohnen und dennoch alles mit dem Fahrrad erledigen zu können. Das war im Ruhrgebiet nicht immer der Fall.

Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit? Was ist Ihnen als Privatmensch wichtig?

Das Wichtigste sind zunächst Freunde und Familie. Mit meiner Frau reise ich gerne und gemeinsam haben wir schon alle Kontinente besucht – außer Südamerika, wo ich bisher nur alleine war. Mein liebstes Hobby ist aber das Segeln. Mit 16 Jahren habe ich die entsprechenden Scheine gemacht und auch jetzt mit 40 Jahren finde ich noch regelmäßig Zeit, einen Törn oder eine Segelfreizeit mit meinem Verein zu machen. Dazu bin ich auch in den letzten Jahren oft nach Norddeutschland gefahren.

Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Ingenieur/Wissenschaftler geworden wären?

Als Jugendlicher wollte ich lange Übersetzer werden, denn in der Schule habe ich mich neben Mathematik und Physik immer sehr gern mit Fremdsprachen beschäftigt. Da ich keinen Ingenieur kannte, war ich zunächst nicht auf die Idee gekommen, meine Faszination an Technik zum Beruf zu machen. Dabei wäre das naheliegend gewesen, da ich nicht nur gerne Motorrad fuhr und fahre, sondern meine Oldtimer-Motorräder auch selbst in Stand setzte. Aber zum Glück konnte ich mich bei einer Infoveranstaltung zur Berufswahl dann über die Ingenieurwissenschaften informieren und habe meine darauf folgende Entscheidung, diesen Weg einzuschlagen, noch keine Sekunde lang bereut.

Haben Sie eine persönliche Erfolgsformel oder ein Motto?

Ob man das als Erfolgsformel bezeichnen kann, bin ich nicht sicher, aber ich habe festgestellt, dass viele Themen umso faszinierender sind, wenn man sich länger und intensiver damit beschäftigt. Daher freue ich mich immer darüber, mich in neue Aufgaben und Themenfelder einzuarbeiten und habe dies auch schon relativ häufig getan.

Nehmen wir als Beispiel den Werkstoff Stahl: immer wieder begegne ich Menschen, die nicht verstehen, was es daran noch zu erforschen gibt. Dann erkläre ich gerne, wie beispielsweise durch die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte die Crashsicherheit und Leistungsfähigkeit im Auto deutlich erhöht werden konnte, und das bei abnehmendem Gewicht und Bauraum der Karosserie und des Getriebes… und stelle dann meist fest, dass niemand darauf verzichten möchte, was hier durch werkstofftechnische Innovationen erreicht wurde!