MPA Bremen in Myanmar: Expertenworkshop "Restoration of U Bein Bridge"

Zustandserfassung und Vermessung der Brücke (Foto: Kornelius Götz)

Die MPA Bremen beteiligte sich mit ihrer Expertise am Expertenworkshop „Restoration of U Bein Bridge“, welcher vom Auswertigen Amt der Bundesrepublik Deutschland im Rahmen des Kulturerhalt Programms gefördert wurde.

Zum Erhalt der längsten (Teak)Holzbrücke der Welt in Mandalay, Myanmar wurde federführend von der TH Georg Agricola Bochum eine 4 köpfige Expertengruppe zur Konzeptentwicklung während eines 1 wöchigen Vor-Ort-Workshops zusammengestellt. Neben dem deutschen Projektleiter Karl Kleineberg (TH Georg Agricola Bochum), wurden Herr Kornelius Götz (Büro für Restaurierungsberatung), Herr Peter Meinlschmidt (Frauenhoferinstitut für Holzforschung, Wilhlem-Klauditz-Institut WKI) sowie Frau Dr. Jana Gelbrich (MPA Bremen) in diese Expertengruppe berufen.

Vom 07.05. bis 12.05.2017 erfolgte zusammen mit der Projektleitung vor Ort, Prof. Zar Chi Minh, Technical University Mandalay (TUM), Department of Architecture sowie Vertretern des Mandalay City Development Committee und des Departments of Archaeology die Entwicklung eines Konservierungskonzeptes, um die U Bein Bridge als lebendes Monument zu erhalten.

Für dieses Ziel galt es eine gute Balance zwischen Kulturguterhalt und Sicherheitsaspekten zu finden. Es sollte so viel als möglich originales Material an der Brücke verbleiben. Allerdings ist wegen der hochfrequentiven Nutzung der Brücke durch Einheimische und Touristen, aus Sicherheitsgründen, eine Erneuerung von Pfosten notwendig. Daher wurde festgelegt, über statische Berechnungen, Grenzwerte zu bestimmen, um eine belastbare Entscheidungsbasis zu haben, für den sicheren Verbleib eines originalen, mehrerer hundert Jahre alten Teakholzpfosten oder für dessen notwendigen Austausch. In der Diskussion zur Festlegung des Verfahrens war viel Feingefühl gefragt, da auch religiöse Hintergründe und Überzeugungen eine wichtige Rolle spielen. So erfuhren wir überraschender Weise sehr wenig Akzeptanz gegenüber dem notwendigen Austausch alter Pfosten gegen Neue. An den Hölzern war augenscheinlich vor Ort überraschender Weise keine Aufweichung durch evtl. pilzliche Zersetzung festzustellen. Die Restholzsubstanzen waren durchweg fest. Zersetzungsspuren wurden hauptsächlich auf Erosion durch die starken Monsunregen zurückgeführt. Somit konnte dem unbedingten Willen, das originale Holz an der Brücke zu behalten, planerisch begegnet werden, dass die nicht mehr als Pfosten nutzbaren Hölzer für kleinere Elementen der Brücke (Handläufe, Geländer, Bodenplanken, Bänke) wiederverwendet werden sollen. Dies stieß auf großen Zuspruch, da die Brücke selbst aus dem Wiederverwendungsgedanken entstand, indem man Pfeiler einer alten Tempelanlage für den Brückenbau verwendete. Um diese ersten Vor-Ort-Eindrücke belastbarer zu machen, stehen in den nächsten Wochen noch einige Laboruntersuchungen an.

 

Auch vor Ort gilt es noch eine genaue Dokumentation der Brücke vorzunehmen, um die Erhaltungsmaßnahme detailliert planen und vor allem die notwendigen Gelder berechnen und einwerben zu können. Dies soll im Sinne der Nachwuchsförderung geschehen und Studenten des Bauingenieurswesens oder der Architektur Möglichkeit zur Praxisübung geben. Während des einwöchigen Workshops fand dazu schon eine erste Probevermessung mit Studenten statt. Aus den daraus gesammelten Erfahrungen entwickelte das deutsche Expertenteam einen Aufnahmebogen, welcher alle relevanten Daten für Studenten erfassbar macht.

Der gesamte Workshop, vor allem aber die Arbeit mit den Studenten, stieß auf ein hohes Interesse der lokalen Presse (Zeitung, Fernsehen). Bei allen notwendigen Eingriffen und Erneuerungen an der Brücke zu deren Erhalt gilt die Wahrung des Mottos: „Keep the spirit of the bridge!“

 
Dr. Jana Gelbrich (MPA Bremen) und Prof. Zar Chi Minh (Technologische Universität Mandalay) bei der Abschlusszeremonie des U Bein Workshops. (Foto: Fraunhofer WKI, Peter Meinlschmidt)
Arbeit mit Studenten an der Brücke zur Entwicklung eines einfachen Aufnahmeverfahrens der gesamten, 1,2 km langen Brücke (Foto: Suzan Win Latt)
The incredible team v.l.n.r. Kornelius Götz (Restaurierungsberatung), Prof. Zar Chi Minh (Projektleitung Myanmar), Peter Meinlschmidt (Fraunhofer WKI), Dr. Jana Gelbrich (MPA Bremen), Suzan Win Latt (technische Assistenz des Workshops), Karl Kleineberg (Projektleitung Deutschland)