Das mechanische Verhalten dünner metallischer Halbzeuge und daraus hergestellter Bauteile kann nicht aus dem Verhalten von Halbzeugen und Bauteilen mit wesentlich größeren Wandstärken abgeleitet werden. Die Ursachen hierfür sind der statistische und technologische Größeneinfluss, der dominierende Anteil der Oberfläche, sowie die Abmessungen in der Nähe der Mikrostrukturgrößen. Darüber hinaus kann auch der Einfluss des Umformens auf die mechanischen Eigenschaften nicht vorausgesagt werden. Aus diesem Grunde ist es notwendig, das mechanische Verhalten der hergestellten Halbzeuge sowie ihr Verhalten im Bauteil auch unter Versagensbedingungen grundlegend zu untersuchen und die Berechenbarkeit und Übertragbarkeit der mechanischen Kennwerte zu erforschen.
Dünne Bleche (Dicke 50 μm) aus dem Werkstoff DC01 zeigen im Ausgangszustand im Hinblick auf eine weitere Kaltumformung unzureichende
Materialeigenschaften, wie beispielsweise weniger als 1 % Bruchdehnung. Um eine Verbesserung der Materialeigenschaften zu erreichen, wurden unterschiedliche Wärmebehandlungen durchgeführt und systematisch untersucht:
- Anlieferungszustand
- 850°C 30 min
- 850°C 60 min
- 850°C 120 min
- 850°C 240 min
- 850°C 240 min
Die für das Mikrokaltumformen besten Eigenschaften wurden bei einer dreißigminütigen Glühung bei 850°C erzielt. Die so behandelten Proben zeigten einen Anstieg der Gleichmaßdehnung auf 16 % bei einer gleichzeitig um 75 % auf 127 MPa sinkenden Dehngrenze. Die Dehngrenze hängt zudem von der Versetzungsdichte, der Korngröße und der Art und Konzentration gelöster Fremdatome ab. Während die Zustände 1 und 2 eine normale Dehngrenze zeigen, ist in den Zuständen 3 bis 6 eine ausgeprägte Streckgrenze zu beobachten. Darüber hinaus wird ein ungewöhnlich starker Abfall der Dehngrenze mit zunehmender Korngröße beobachtet, der mit der klassischen Hall-Petch Beziehung nur unzureichend beschrieben wird.









